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23.11.2008
Einweihung des Borkumer Seebestattetendenkmales

Projekt des Borkumer Ökumenerates
– Unterstützung durch die Bürgerstiftung Borkum

Dank des besonderen Einsatzes der Borkumer Kirchen und der Borkum-Stiftung ist es gelungen, genügend Spenden aufzubringen, um das Seebestattetendenkmal nach mehrjähriger Planungsphase zu verwirklichen. Die Bauarbeiten wurden Ende Oktober 2008 begonnen. Die feierliche Einweihung des Denkmals durch Vertreter der Kirchen, der Borkum-Stiftung und Frau Bürgermeisterin Mahlitz erfolgte am Totensonntag, den 23. November 2008 unter großer Beteiligung der Borkumer Bevölkerung.

Das Denkmal wird manchen Hinterbliebenen Erinnerung und Trost spenden können. Für unsere meerumwogene Insel mit ihrer Seefahrertradition wird das Denkmal schließlich ein wertvolles kulturelles Objekt darstellen.

Das Besondere an dem Seebestattetendenkmals auf Borkum sind Plaketten mit den Namen der Verstorbenen. Finanziert wurde das 25 000 Euro teure Bauwerk aus hierfür erzielten Spendeneinnahmen der Inselkirchen und der Borkum-Stiftung.
Laut der Deutschen See-Bestattungs-Genossenschaft (DSBG) finden pro Jahr 5000 Menschen ihre letzte Ruhe in den Fluten der deutschen Ost- und Nordsee. «Die Zahlen stagnieren seit rund zehn Jahren», sagt Rolf Matthiesen von der DSBG. Eine Seebestattung ist anonym. Eine Urne mit den sterblichen Überresten des Verstorbenen wird an einem exakt festgelegten Punkt der See übergeben, sinkt auf den Meeresgrund und löst sich dort auf. Die Angehörigen nehmen in einer Trauerfeier an Land oder an Bord Abschied von den Toten.
Doch gerade die Anonymität dieser Art der Beisetzung kann problematisch sein. «Viele Angehörige haben den Wunsch geäußert, einen Ort zu haben, an dem sie trauern und gedenken können», sagt Torsten Juilfs von der Borkum-Stiftung. Auf der Insel wird auf diesen Wunsch nun eingegangen. An dem neuen Denkmal sollen Familie und Freunde um ihre Toten trauern können, die in der Emsmündung bestattet wurden.
Das Denkmal besteht aus vier nebeneinanderstehenden, in der Größe abfallenden Granitsteinen. An der Oberkante sind die Steine in Wellenform geschnitten. Darunter steht die Inschrift «Zur Erinnerung an die auf See vor Borkum Bestatteten». Auf dem größten Stein wird eine Bronzetafel mit einer stilisierten Seekarte von Borkum und der Emsmündung angebracht. Auf den vier Steinen ist Platz für kleine Bronzeplaketten mit Namen, Geburts- und Todestag der Seebestatteten.
«Es können bis zu 150 Namen angebracht werden», sagt Juilfs. Auch für Verstorbene, die bereits vor Jahren auf See bestattet wurden, können Angehörige noch eine Plakette erwerben. Die Kosten betragen 150 Euro. «Damit wird auch die Pflege des Denkmals bezahlt», sagt Juilfs.
Zunächst werden sechs Namen an den Säulen angebracht werden - darunter auch der von Fritz Wilhelm Thinius. Der inzwischen verstorbene Borkumer hatte im Jahr 2003 die Idee zu dem Denkmal. Damals fehlte den Inselkirchen jedoch das Geld für die Umsetzung. Mit Hilfe der Borkum-Stiftung sowie eines ebenfalls auf See bestatteten Einzelspenders wurde das Denkmal jetzt in dem Pinienwäldchen Realität.

Wenn Sie einen Antrag auf Anbringung einer Namensplatte stellen möchten, nutzen Sie bitte folgendes Dokument:

Zur Geschichte des Denkmals:

„Eine Kultur, eine menschliche Gesellschaft muss danach bewertet werden, wie sie mit ihren Toten umgeht.“ (Gunter Mann, Medizinhistoriker, 1924 – 1992). Betrachten wir unsere heutige Gesellschaft, spiegeln sich auch auf dem Sektor der Totenrituale die modernen soziale Probleme. Die Großfamilien früherer Zeiten existieren in der Regel nicht mehr, die
Zahl der Single-Haushalte oder Lebenspartnerschaften auf Zeit nehmen zu. Die demographische Entwicklung zeigt eine
abnehmende Kinderzahl, wohingegen die Zahl der oft allein stehenden und auch einsamen Alten steigt. Eine der Folgen
dieser Entwicklung ist, dass besonders in den Großstädten eine immer größere Zahl von Bürgern die Verfügung treffen,
nach ihrem Tode anonym bestattet zu werden. Grund dafür ist, dass in immer mehr Fällen gar keine nahe stehenden
Angehörigen vorhanden sind, die sich um eine angemessene Grabpflege kümmern würden.

Die Verfügung zu einer Seebestattung ist eine Sonderform des Totenrituals, die in den letzten Jahren zunehmend häufiger gewählt wird. Offensichtlich wird diese Form der Bestattung aus ästhetischen und emotionalen Gründen als besonders würdig angesehen. Dennoch handelt es sich auch hier um eine anonyme Bestattungsform. Auch wenn die sozialen Strukturen unserer Heimatinsel Borkum nicht denen der großen unpersönlichen Städte entsprechen, musste sich der Ökumenerat der drei Borkumer Kirchen, die auch die Friedhofsverwaltung inne haben, mit dem Problem der anonymen Bestattungen auseinandersetzen. Daraus resultierte der Beschluss, auf der Insel Borkum kein anonymes Gräberfeld anzulegen. Es soll ein lokalisierbarer Ort der Trauer gewährleistet bleiben.

Nicht gelöst war damit aber das Problem der Anonymität der Seebestattungen. Schon vor mehreren Jahren wurde von betroffenen Angehörigen das Problem an die Kirchen herangetragen. Daraus resultierte die Idee, für die Borkumer Seebestatteten eine Gedenkstätte zu errichten. Pläne dafür wurden schon 2006 im Borkumer Karkenblattje veröffentlicht. Ein ausgereifter Bauplan wurde bereits von dem früheren Stadtbaumeister Tönjes Akkermann erstellt: das Denkmal besteht aus vier Granitplatten, seitlich und oben wellenförmig geschnitten. Die Vorderseite ist geglättet, hier links oben einein Kupfer getriebene stilisierte Seekarte der Emsmündung, dem Bereich der Seebestattung. Die Vorderfläche enthält rechteckige Felder zur Befestigung kleiner Namensschilder aus Messing. Auf diesen ist der Name des Verstorbenen vermerkt, Geburtsdatum und Todestag sowie Längen- und Breitengrad der Seebestattung. Vor dem Denkmal ein Platz zur Ablage von Blumen oder Kränzen. Als Ort des Denkmals ist die mit Pinien bewachsene Rasenfläche zwischen Friedhofskapelle und Deichstraße, eine Umpflanzung mit höheren Hecken soll für Ruhe und optische Abgeschlossenheit des Gedenkortes sorgen.

Aus verständlichen Gründen kann ein derartiges Projekt nur von den Bevölkerungskreisen finanziell getragen werden, die
sich mit der Idee der Seebestattungen identifizieren. Die Errichtung des Denkmals aus Mitteln der allgemeinen Friedhofsgebühren oder aus den Kirchenetats ist ausgeschlossen.

Unterstützung findet das vom Borkumer Ökumenerat entwickelte Projekt auch durch die neu gegründete politisch und konfessionell unabhängige Bürgerstiftung Borkum. Die Bürgerstiftung Borkum stimmt der Idee der Kirchen zu, dass
auch Hinterbliebene von Seebestatteten einen Ort der Trauer haben sollten. Außerdem ist die Bürgerstiftung der Ansicht,
dass ein solches Denkmal für unser von der Nordsee und der Seefahrt geprägtes Borkum letztendlich ein schönes und
würdiges Stück Inselkultur repräsentiert. Die Bürgerstiftung möchte speziell auch diejenigen Interessenten ansprechen,
die nicht konfessionell gebunden sind oder sich gebunden fühlen. Unsere Bürgerstiftung ist für alle da, das zu schaffende
Denkmal ist ebenfalls ein Monument für die gesamte Insel. Der Entwurf von Tönjes Akkermann wird von der Bürgerstiftung
klar favorisiert, da er von besonderer Schönheit und Sinnbildhaftigkeit geprägt ist.